Perfekte Mütter – ein Synonym für Intoleranz? Warum ich lieber eine Rabenmutter sein will!

Die Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Eine schöne Zeit mit viel Vorfreude auf den süßen Nachwuchs. Bei mir sind es noch knapp 3 Monate bis zum Happening „Geburt“ und ich muss sagen, dass ich mittlerweile etwas desillusioniert bin. Ich freue mich riesig auf mein Kind! Aber irgendwie habe ich mir diese Zeit anders vorgestellt. Nichts scheint die Geister so zu entzweien, wie das Thema Kinder. Jeder hat plötzlich eine Meinung! Egal, ob sie dich interessiert oder nicht, sie fühlen sich berufen dir zu erzählen, was zu du tun und zu lassen hast, bevor du überhaupt ein Kind hast!

Im Netz ist es aufgrund der Anonymität besonders schlimm. Themen wie Stillen und Kinderbetreuung gleichen einer wahren Hetzjagd. Die Äußerungen, der selbst ernannten „perfekten Mütter“, sind teilweise so verurteilend und intolerant, dass es einem den Atem verschlägt. Die Ansprüche sind riesig und wer die Erwartungen nicht erfüllt, der bekommt etwas zu hören.

Ich will nicht zu dieser Sorte Frau und nicht zu dieser Sorte Mutter gehören. Ich will nicht anderen Leuten meine Meinung aufzwingen und ich will die Freiheit haben meine Meinung zu ändern. Wir haben so viele Rechte und Möglichkeiten und unsere Engstirnigkeit ist dennoch größer, wie nie zuvor. Es muss doch möglich sein, dass Leute ihren eigenen Weg zu gehen, ohne dass wir jemanden dafür sofort verurteilen? Ich bin nicht bereit mich der Masse zu beugen. Es muss möglich sein Frau und Mutter in einem zu sein. Wenn das bedeutet, dass meine Einstellung zu Familie und Kind zu liberal ist und man mich wegen der fehlenden Demut zur Selbstaufgabe in eine Schublade steckt, dann werde ich den Titel der Rabenmutter mit Stolz tragen!

#1: Ich will arbeiten und unabhängig sein! 

Ich arbeite gerne und für mich ist es auch selbstverständlich, dass ich wahrscheinlich nach einem Jahr in den Beruf zurückkehren will. Ich sehe darin keine mangelnde Liebe zum Kind, sondern einen gesunden Pragmatismus. Zum einen bin ich der festen Überzeugung, dass eine Beziehung auf Augenhöhe stattfinden sollte und ich will in der Lage sein meinen Anteil dazu beizutragen. Dazu gehört für mich auch die finanzielle Unabhängigkeit. Zum anderen kann ich den Punkt nicht außer Acht lassen, dass sehr, sehr viele Frauen heute in Altersarmut leben. Wer die Kinder erzieht und danach nur noch wenige Stunden in Teilzeit arbeitet, hat es im Falle einer Trennung wirklich schwer. Ich bin wirklich kein Pessimist, aber ein gebranntes Scheidungskind und die Statistik besagt, dass sich immerhin noch 40 % scheiden lassen. Für mich also ein wichtiger Punkt, meine Zukunft und die meines Kindes absichern zu können im Notfall!

#2: Ich will mich beruflich verwirklichen, auch mit Kind! 

Ein anderer Punkt, der mir richtig sauer aufstößt, sind all die gut ausgebildeten Frauen, die heutzutage immer noch ein Frauenbild von 1950 in sich tragen. Egal, ob ich mich im Netz bewegt habe oder im Alltag. Wenn du äußerst, dass du deinen Job zu 80-100 % wiederaufnehmen willst und keine Lust auf eine anspruchslose 50 % Stelle hast, dann bekommst mit Sicherheit eine der folgenden Antworten zu hören:

  • „Es gibt auch andere Dinge als Arbeit für eine Mutter. Du wirst dann andere Prioritäten haben“
  • „Ich finde es zu früh, die Kinder mit einem Jahr in die Kita zu geben, sie sind dafür viel zu klein und werden dort nur vernachlässigt“.

Sicherlich gehen Familie und Kinder vor und natürlich verändern sich Prioritäten aber wieso will mir jeder sagen, was ich zu tun haben und was ich fühlen sollte? Wieso muss sich die Frau allein dem Wohl des Kindes opfern? Sollte sich nicht ein Kind in die Familie einordnen, statt sie zu beherrschen? Vielleicht braucht die Familie auch das Geld und kann es sich nicht leisten, dass ein Partner die ersten 3 Jahre zuhause bleibt. Bei den gestiegenen Mietpreisen und dem hohen Lebensstandard, sicherlich ein bekanntes Problem.

Ist den „perfekten Müttern“ eigentlich klar, dass wir in Deutschland extrem privilegiert sind, was die Länge und Bezahlung der Elternzeit betrifft und dass es in sehr vielen Ländern nach 14 Wochen zurück an die Arbeit geht? Im europäischen Vergleich haben wir mit die niedrigste Quote an erwerbstätigen Müttern.

Anteil erwerbstätiger Frauen Deutschland im europäischen Vergleich 2016
Anteil erwerbstätiger Frauen Deutschland im europäischen Vergleich 2016

Wären all diese Kinder so vernachlässigt, wie gerne behauptet, dann müsste der Logik nach, besonders die Dänen und die Schweden ihre Kinder zu echten Sozialfälle erziehen..

Bildquelle: Schweizerische Arbeitskräfteerhebung Mütter auf dem Arbeitsmarkt (Oktober 2016)

Es gibt viele Studien, die ganz klar sagen, dass Kinder ihre sprachlichen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten besser entwickeln, wenn sie eine gute Kinderbetreuung aufsuchen.

Lesetipp:

Wohin mit meinem Kind? Formen und Auswirkungen der Fremdbetreuung

Kids better off at nursery rather than staying at home with mum, say researchers

Du wirst nur eine gute Mutter sein, wenn du all deine Bedürfnisse und Wünsche zurückstellst?!

Ich finde es sehr schön, wenn jemand seinen Sinn des Lebens in seinen Kindern findet und es ihm Spaß macht Zuhause zu bleiben. Jeder kann das machen, wie er möchte. Ich finde es nur absolut unglaublich, dass es hier zweierlei Maßstäbe gibt. Für Männer war es schon immer selbstverständlich, dass sie eine Vollzeitstelle habe, auch als Vater. Ich kenne wenige Männer, die überhaupt mehr als 2 Monate Elternzeit nehmen. Natürlich geht das oft auch nicht anders und der Mann einfach viel mehr verdient. Aber hier geht es mir nicht darum, dass es einfach Sinn macht, dass dann derjenige zuhause bleibt, der weniger verdient. Mir geht es hier um die Einstellung dahinter. Arbeitet eine Mutter gerne und ist nicht bereit freiwillig alles aufzugeben, dann ist sie automatisch eine Rabenmutter, hat die falschen Prioritäten, ist egoistisch und vernachlässigt ihre Kinder. Der Mann ist der Held, der das Geld nach Hause bringt und wird schon in den Himmel gelobt, wenn er am Samstag mit dem Winzling ins Kinderschwimmen geht. Ich finde das ungerecht und altbacken!

Sollte die Rollenverteilung heutzutage immer noch so klassisch sein? Wieso ist es ok, wenn der Mann sich verwirklicht und die Frau sich zurücknimmt? Heißt es nicht, dass glückliche Eltern auch glückliche Kinder haben?

Und wieso sind wir Frauen hier diejenigen, die viel intoleranter sind? Statt zusammenzuhalten, zerfleischen wir uns gegenseitig offline und online, was eine „perfekte Mutter“ ausmacht. Ein Armutszeugnis.

Eure Rabenmutter-to-be,

Janina

 

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13 Kommentare zu „Perfekte Mütter – ein Synonym für Intoleranz? Warum ich lieber eine Rabenmutter sein will!

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  1. Als Mutter ist es leider so, dass viele denken, sie könnten ungefragt Ratschläge geben. Da hilft ein dickes Fell und klare Ansagen schon gleich am Anfang. 😉

    Das Praktische am Internet, ich klicke immer gleich weg, wenn mir etwas nicht gefällt. Deshalb umgebe ich mich nur mit netten Müttern, deren Ansichten ähnlich oder gleich sind. 😉 Und von den netten gibt es zum Glück viele!

    Ansonsten kann ich deine Gedanken verstehen, oft haben sich Dinge aber einfach entwickelt. Wir haben auch gedacht, dass ein früherer Besuch im Kindergarten ok ist. Aber Kinder sind unterschiedlich und es passte eben noch nicht. Denn alle müssen sich erstmal aufeinander einlassen kennenlernen. Ich würde sagen mit Kind würfelt sich das Familienleben nochmal ganz neu zusammen.

    Liebe Grüße, Lara

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    1. Hallo Lara, danke für dein nettes Kommentar. Ich gebe dir absolut Recht. Eine klare Ansage hilft oft. Ich bin immer wieder nur schockiert über die Engstirnigkeit. Wie du schon sagst, man muss auch die Freiheit haben Dinge anzupassen an jedes Kind. Ich bin sicher, dass ich das selber noch oft tun werde. Das viele Dinge nicht planbar sind ist mir klar, ich werde einfach schauen, was allen gut tut. ☺

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  2. Liebe Janina,

    ich wünsche Dir, dass Du es schaffst gegen den Strom zu schwimmen und Deine Selbständigkeit zu behalten. Ich habe es durchgezogen, trotz Gegenwind, der schon vor 17 Jahren herrschte!

    Alles Gute und viel Kraft dafür
    Petra

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  3. Schön das es nicht nur mir auffällt. 🙂 In weniger als 13 Wochen darf ich unser Krümelchen endlich im Arm halten und ich gebe dir so verdammt recht. Man wird als werdene Mutter sowas von kritisch beäugt und am besten wird einem aufgezwungen, was man zu denken und zu fühlen hat.

    Jedem ist alles selber überlassen. Mach dein Ding! Du musst ebenfalls glücklich sein 🙂

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  4. Ich gebe werdenden Eltern nur einen Rat: Hört nicht auf die vielen „guten Ratschläge“.
    Am Ende ist auch nicht wichtig, was der Rest da draußen denkt. Die Kinder sollen glücklich sein – und die Eltern auch. Dafür reicht fast immer das Bauchgefühl und ein paar offene Ohren. Keine App, kein Facebook-Post und kein Erziehungsratgeber kann mir sagen, ob mein Kind weit genug für dies oder das ist. Ein „normal“ gibt es bei Kindern nicht.
    Eltern müssen manchmal für ihre Kinder zurückstecken, besonders im ersten Jahr. Aber dennoch haben sie ein Leben und ein Anrecht darauf.
    Jetzt gebe ich Dir tatsächlich doch noch einen Rat: Kümmer Dich um Dich selbst, Euer Kind und Eure Familie. Wenn es Euch gut geht, ist alles in Ordnung. Wenn sich jemand auf Facebook darüber aufregt, dass der Zwerg nicht mit 18 noch im Familienbett schläft oder wie Du ihn nicht zu Hause unterrichten kannst – don’t care.

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  5. Danke für deinen Ratschlag, du hast vollkommen Recht und ich werde ihn mir zu Herzen nehmen und mal mein Bauchgefühl aktivieren. Ich glaube, da der Winzling noch nicht da ist, ist man einfach verunsichert und anfällig, ob man das gesunde Bauchgefühl haben wird aber natürlich wird es da sein und dann geht es von allein.

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  6. Hallo Janina,
    Ich finde deinen Beitrag wirkich toll, ich habe mich total wiedergefunden. Ich bin auch Neumami und versuche auch in meinem Blog das Leben zwischen Mama und Frau sein zu beschreiben und widerzuspiegeln.
    Ich schließe mich all dem was du geschrieben hast an und gehöre somit auch zum Club der Rabenmütter.
    Lg Jennifer

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    1. Hi Jennifer, es kostet immer Überwindung ein so privates Thema zu diskutieren. Ich aber echt froh, denn man merkt einfach, dass man nicht allein ist mit den Gedanken, Wünschen und Sorgen. Ich folge dir mal. Können uns bestimmt mal austauschen. Lg Janina

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      1. Ja ich weiß, und ich hab schon so einige böse Mails erhalten bzgl meinen Beiträgen. Würde mich freuen, mal wieder von dir zu lesen!

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  7. Wie auch immer… Wünsche dir alles Gute. Freut mich für dich das Mutter wirst iss auf jeden fall was schönes lass dir von niemandem was einreden man muss auch selbst seine Erfahrungen machen.
    Mfg stolzer Papa Daniel Ziegler

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