Working Mom: „Mütter sind organisierter, belastbarer und motiviert“

„Wer motzt, muss es anders machen!“, das ist das Motto von Anne Richters. Als sie ihr zweites Studium abschließt und kein Job in Sicht ist, beschließt sie sich selbstständig zu machen. Sie ist selbst zwar keine Working Mom aber sie beschäftigt ganz bewusst nur Mütter in ihrer Firma Hundeschulservice. Grund genug für mich da mal nach zu fragen.

Janina: Du hast mir geschrieben, dass du aus der Not heraus dein Start-up gegründet hast, weil du einfach keinen Job gefunden hast. Wie kann sowas bei unserer Wirtschaftslage und zwei abgeschlossene Studiengänge passieren?

Anne Richters: „Ein guter Mitarbeiter – egal ob Mutter oder nicht – übernimmt Verantwortung für seine Aufgaben. „

Anne: Ich kann es mir nur so erklären: Mitten im Münsterland – Betonung liegt auf LAND – Anfang 30, gerade verheiratet und eben gerade das zweite Studium beendet. Da schreit keiner „Juchuuuu“. Leider. Dabei war Kind kriegen für mich persönlich gar kein Thema. Es kamen immer mehr Absagen. Das hat mich durchaus geärgert, weil ich ja nicht einmal persönlich vorstellig werden konnte. Die wahren Gründe sagt einem ja niemand. Man kann es nur erahnen. Aber vielleicht sollte es genau so sein.

Janina: Wer gründet, der braucht eine gute Idee. Mit deinem Nischenservice Hundeschulservice betreibst du eine virtuelle Assistenz für Selbständige aus der Hundebranche, wie bist du darauf gekommen?

Anne: Ich habe während meiner Bachelorarbeit nebenbei in der Hundeschule, in der ich selber Kundin war, die Büroarbeiten erledigt. Die Inhaberin hat das immer stolz erzählt 😊. Somit hatte ich quasi zuerst Kundenanfragen und daraus entstand die Idee.

Janina: Welche Rolle spielen die Working Moms in deiner Firma und wieso beschäftigst du ausgerechnet NUR Mütter?

Anne: Es ist nicht ein zwingendes Einstellungskriterium Mutter zu sein. Aber es hat sich so ergeben und ich habe keine Vorurteile. Ich bin da ganz ehrlich: wir profitieren voneinander.
Meiner Meinung nach gibt es nicht die Entscheidung Kind oder Job. Aber es gibt zu wenige Jobs, die mit Kind zu vereinbaren sind. Das finde ich schade. Denn ich bin der Meinung: wer Kinder hat, der muss sich auch kümmern. Dennoch sind sie alle auch Frauen mit eigenen Bedürfnissen und dazu gehört eben oft auch die Ausführung eines Jobs. Ich bin froh ihnen das hier bieten zu können. Oberste Prio sind die Kinder. PUNKT. Wenn die krank sind, abgeholt werden müssen oder ihre Mutter brauchen, dann organisieren wir uns um. Urlaub in den Ferien und ein Zwischendurch-Anruf der Kinder sind für mich selbstverständlich. Aber auf der anderen Seite übernehmen sie genau so viel Verantwortung für die übertragene Arbeit. Gleichen Ausfallzeiten aus und erledigen ihre Aufgaben sorgfältig. Sie sind mir gegenüber genau so tolerant und so entsteht ein harmonisches Geben und Nehmen. Um ehrlich zu sein: ein Wohlfühlarbeitsklima.

Bei dem Start-up Hundeschulservice aus Münsterland profitieren Arbeitgeber und Mütter von dem transparenten Geben und Nehmen.

Janina:  Häufig haben Arbeitgeber Angst, dass Mütter zu oft ausfallen und keine Überstunden machen können bzw. wollen. Wie handhabst du das?

Anne: Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Ich erlebe hier genau das Gegenteil. Mit etwas Wohlwollen ist das vollkommen unproblematisch. Ja, sie fallen mal aus. Aber nicht häufiger als ein anderer Mitarbeiter, der sich wegen Kopfschmerzen krankmeldet. Ein guter Mitarbeiter – egal ob Mutter oder nicht – übernimmt Verantwortung für seine Aufgaben. Und weiß, dass er oder sie fehlt im System. Also sind sie ungern krank.
Natürlich gibt es Tage, das gehen sie pünktlich, weil die Kinder vor der Tür stehen. Aber dann gibt es Tage, da wurde Oma organisiert oder der Mann hat frei und sie bleiben einen ganzen Tag. Meine Mitarbeiterinnen haben übrigens ALLE Überstunden. Und da freut sich keine, wenn sie nicht kommen kann. Aber ihnen geht es auch nicht schlecht, wenn es so ist und sie nicht kommen können.

Janina: Bist du der Meinung, dass deine Teamkolleginnen andere Fähigkeiten mitbringen und diese einsetzen können, im Gegensatz zu kinderlosen?

Anne: Ja. Denn sie sind organisierter und sie sind belastbarer. Gerade hier im Büro, in dem wir zu viert sitzen inkl. 3 Hunden und 21 klingelnden Telefonen (also einer spricht immer) ist es wichtig, das aushalten zu können. Sie haben eine andere Struktur und andere Ziele. Ich bin die einzige ohne Kinder und ich neige dazu Zeit zu verdaddeln, denn mein Feierabend ist nicht so fix berechnet wie ihrer 😉. Dazu kommt, dass sie motiviert sind und Lust haben. Denn sie können arbeiten. Haben etwas für sich und ein nettes Team. Es macht einfach viel aus – so sagen sie – morgens eine Arbeit zu haben, die ihnen Spaß macht und die sie fordert. Danach geht es dann in das Unternehmen Familie.
Ich kann andere Arbeitgeber nicht verstehen. Unser Modell hier funktioniert wirklich toll.

Vielen Dank für die tollen Einblicke in dein familienfreundliches Unternehmen. Davon sollte es noch viel mehr geben. 

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