Working Mom: „Nur wenn dem Arbeitgeber klar ist, dass Ihr auch mit Kind bereit seid, Einsatz zu zeigen, wird er Euch Vertrauen schenken.“

Führungskraft in Teilzeit, das gibt es wirklich! Julia ist Kommunikationsleiterin bei der BW Stiftung. Nach 8 Monaten Elternzeit ging sie zurück in den Job. Sie erzählt uns von den Erfolgsfaktoren, damit Baby und Karriere im Einklang bleiben und was sich danach im Arbeitsalltag für sie verändert hat.

Janina: Führungskraft in Teilzeit zu sein stelle ich mir als organisatorische Meisterleistung vor. Wie genau machst Du das?

Julia Kovar-Mühlhausen Kommunikationsleiterin und Working Mom

Julia: Ich habe einen Vertrag über 80%. Daher trifft es der Begriff „Teilzeit“ nur bedingt. Ich höre immer wieder, dass die Kollegen nicht merken, dass ich „nur Teilzeit“ bin. In der Kommunikation muss man praktisch immer erreichbar sein, immer online, immer reaktionsfähig auf das, was passiert. Das kann ich fast immer sicherstellen. Freitags bin ich nicht im Büro, arbeite aber ab und zu von zuhause aus. Ich bin nach der Elternzeit erst einmal mit 50% eingestiegen und habe dann sukzessive aufgestockt. Vieles hängt aber von den Kollegen ab, auf die ich mich immer hundertprozentig verlassen kann. Sie unterstützen mich, wo es geht. Und auch mein Chef gesteht mir eine gewisse zeitliche Flexibilität zu, sodass ich morgens auch mal später kommen und nachmittags früher gehen kann, z.B. um meine Tochter abzuholen. Dafür sitze ich dann abends nochmals am Rechner oder am Smartphone.

Janina: Wie lange darf/kann man sich überhaupt eine Auszeit nehmen, wenn man so viel Verantwortung trägt?

Julia: Ich denke, das muss sich jede Mutter und jeder Vater selbst beantworten. Für mich war es aber klar, dass ich nicht lange aus dem Job draußen sein wollte. Ich liebe meinen Job dafür zu sehr und wurde nach ein paar Monaten zuhause nervös. Ein dreiviertel Jahr war daher für mich ideal, um wieder einen guten Einstieg zu finden.

Janina: Viele Mütter berichten von Akzeptanzproblemen im Kollegium nach dem Wiedereinstieg. Bist du solchen Konflikten im Büro begegnet und wie nimmt man solchen „Attacken“ den Wind aus den Segeln?

Julia: Das habe ich zum Glück gar nicht erlebt. Viele Kolleginnen (und auch Kollegen) haben Kinder, mein Chef hat fünf. Ich denke, solche Attacken sind null und nichtig, wenn man seinen Job gut macht. Und diesen Anspruch habe ich immer. Übrigens habe ich schon oft festgestellt, dass gerade Mütter sehr effizient und ergebnisorientiert arbeiten, weil ihnen eben nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht. Da wird wenig rumgelabert, sondern gemacht!

Janina: Hat sich deine Art zu arbeiten und dein Führungsstil verändert?

Julia: Ja und nein. Was mir ziemlich schnell aufgefallen ist, ist, dass ich mich selbst und bestimmte Situationen nicht mehr so ernst nehme. Wir sind alle nur Menschen, und dort wo Menschen zusammenarbeiten, menschelt es eben manchmal. Ich kann das heute viel besser wegstecken als früher, weil ich weiß, dass es zuhause Wichtigeres gibt.

Janina: Lange Arbeitszeiten bis 19 Uhr sind keine Seltenheit bei dir. Viele Mütter berichten häufig von einem inneren Konflikt, entweder Job oder Kind nicht gerecht zu werden. Wie geht es dir als Mutter, wenn viel Arbeit ansteht?

Julia: Ja, ich kenne das auch und es ist manchmal schwierig. Aber ich kann das auch ganz gut ausbalancieren. Ich versuche eben, mir freitags und am Wochenende ganz besonders viel Zeit für meine Tochter zu nehmen. Und da sie auch bei meinem Mann und den Großeltern bestens aufgehoben ist, geht es mir gut damit.

Janina: Wenn beide Karrieren weitergehen, dann müssen viele Zahnräder ineinander greifen. Wie teilt ihr euch als Paar diese Herausforderung?

Julia: Mein Mann unterstützt mich immer und spornt mich an, Herausforderungen anzunehmen. Er ist momentan freiberuflich tätig und daher deutlich flexibler als ich. Ich brauche da jemanden, für den Familie auch Arbeitsteilung bedeutet. Und das habe ich zum Glück! 🙂
Außerdem haben wir die Großeltern vor Ort, die helfen uns sehr, z.B. beim Abholen vom Kindi, der schon um 16.30 Uhr schließt.

Janina: Im Schwabenländle ist die traditionelle Rollenverteilung immer noch gern gesehen. Manchmal reagiert das private Umfeld mit Unverständnis, wenn eine Mutter weiterhin Karriere machen möchte. Welche Erfahrungen hast hier du gemacht?

Julia: Das kann ich jetzt gar nicht sagen. Ich bin aber auch nicht in einem traditionellen Elternhaus aufgewachsen. Meine Mutter war voll berufstätig als Apothekerin, auch als ich schon auf der Welt war. Meine Schwester und ich waren auch viel bei unseren Großeltern und haben es immer geliebt. Ich war immer sehr stolz auf meine Mama, die die einzige studierte Mami weit und breit war. Deshalb gab es da weder aus der Familie Kommentare noch aus dem Freundeskreis. Ich bevorzuge auch als Freundinnen emanzipierte Frauen, die ihr Ding machen. 😉

Janina: Welche Tipps kannst du (werdenden) Müttern an die Hand geben, damit Kinder und Karriere sich vereinen lassen?

Julia: Natürlich ist jeder Arbeitgeber anders, manche machen gar kein Problem daraus, andere legen Steine in den Weg. Was ich aber generell sagen kann, ist, dass man mit dem/r Vorgesetzten kommunizieren sollte. Sagt, was Ihr wollt und diskutiert die Möglichkeiten. Nur wenn dem Arbeitgeber klar ist, dass Ihr auch mit Kind bereit seid, Einsatz zu zeigen, wird er Euch das Vertrauen schenken.

Janina: Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen als Working Mom mit uns geteilt hast Julia! 

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2 Kommentare zu „Working Mom: „Nur wenn dem Arbeitgeber klar ist, dass Ihr auch mit Kind bereit seid, Einsatz zu zeigen, wird er Euch Vertrauen schenken.“

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